Üben, Leidenschaft und Publikum – Musik und Design Thinking

In diesem Text habe ich einige Gedanken zusammengefasst, die eine Gruppe von fünf Menschen beim 7. Design Thinking Meetup im Kölner Startplatz entwickelt haben. Wir haben eine halbe Stunde zusammengestanden und das Thema „Musik und Design Thinking“ diskutiert. Daher können sich in diesem Text nur erste Überlegungen und Thesen finden. Ich fand das Gespräch aber so inspirierend, dass ich diese Gedanken festgehalten habe. Vielen Dank an allen Beteiligten. Und natürlich sind Ergänzungen, Widerspruch und Anmerkungen herzlich willkommen.

These 1: Leidenschaft und Kunden

Musiker erleben Momente, in denen sie mit der Musik verschmelzen. Es spielt in diesen Momenten keine Rolle, ob jemand zuhört oder nicht. Die stärkste Motivation für Musiker Musik zu machen ist Leidenschaft für Musik. Dort liegt zumindest der Ausgangspunkt. Ohne Leidenschaft für Musik kann niemand Musiker sein. Erst nachdem jemand seine Leidenschaft für Musik entdeckt hat, entsteht der Wunsch für das Publikum zu spielen. Der Musiker bewegt sich von der zweckfreien Leidenschaft hin Richtung Publikum – seinen Kunden –,  denen seine Musik gefallen muss. Dieser Weg verläuft für jeden Musiker unterschiedlich, und er kann sehr verworren sein. Aber irgendwo auf diesem Weg entsteht Neues, irgendwo auf diesem Weg kommt der Musiker in einen kreativen Raum – sei es, dass er wie zum Beispiel im Jazz improvisiert, dass er eine Neuinterpretation eines klassischen Musikstückes vorträgt oder dass er selbst etwas Neues komponiert.

In einem Design Thinking Prozess erlebt das Design Thinking Team – wie der Musiker – Momente der zweckfreien Leidenschaft. Dann geht das Bewusstsein, dass das Design Thinking Team eine Aufgabe lösen möchte, dass es für Kunden, für Menschen arbeitet kurzfristig  verloren. Das kreative Erlebnis steht für sich und verschafft Befriedigung. Vielleicht entsteht Leidenschaft. Allerdings ist im Design Thinking dieser Moment der Leidenschaft nicht der Ausgangpunkt. Vielmehr steht beim Design Thinking der Kunde – der Musiker würde sagen „Publikum“ – am Anfang. Jede Aufgabenstellung muss so formuliert sein, dass klar ist für wen etwas Neues entwickelt werden soll. Im Design Thinking verläuft der Weg im Vergleich zur Musik genau umgekehrt: Vom Kunden zur Leidenschaft. Ohne die Kundenorientierung funktioniert Design Thinking nicht, aber ohne Momente der Leidenschaft liefert auch Design Thinking keine überzeugenden Lösungen.

Musik und Design Thinking brauchen beide Kunden und Leidenschaft. Aber die Ausgangspunkte liegen sich diametral gegenüber. Die Analogie zeigt, dass Design Thinker als Coaches darauf achten sollten, dass die beschriebenen Momente der Leidenschaft im Verlauf des Design Thinking Prozess ihren Platz bekommen.

These 2: Täglich üben

Profi-Musiker üben täglich mehrere Stunden. Nur wer sein Instrument technisch beherrscht, kann zum Beispiel in einer Improvisation etwas Neues schaffen. Natürlich können auch Musiker, die technisch nicht perfekt sind, improvisieren und innovativ sein. Aber ihre Möglichkeiten sind eingeschränkter gegenüber einem Virtuosen, der alle Facetten seines Instrumentes ausschöpft.  Je besser ein Musiker sein Instrument beherrscht, desto größer ist sein Potenzial etwas Neues zu schaffen. Die Grundlage dazu ist das tägliche Üben.

Design Thinker nutzen den Design Thinking Prozess und den damit verbundene Methodenkoffer als Instrument. Wie ein Musiker müssen sie den Prozess und die Methoden verstehen und beherrschen. Design Thinker bringen mit ihrem Instrument keine Musik hervor, aber sie begleiten und gestalten ein Team und ermöglichen ihm kreative Räume und neue Ideen. Je besser der Design Thinker sein Instrument – den Prozess und die Methoden – beherrscht, desto größer ist die Chance, dass er mit dem Team wirklich gute Lösungen und Innovationen erschafft.

Musik und Design Thinking brauchen beide viel Übung. Die Analogie zeigt, dass es sinnvoll ist sich jeden Tag mit Design Thinking zu beschäftigen und zu üben.

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