Erfolgreiche Teamarbeit mit Post its

Ein gutes Team fällt nicht vom Himmel. Ein gutes Team muss sich über gemeinsame Arbeit und Erfolge finden und sich ständig weiterentwickeln. Um das zu erreichen, gibt es zahlreiche Methoden und Werkzeuge. Eine Möglichkeit: Gedankenaustausch mit Klebezetteln (bekannt unter dem Markennamen „Post its“). Ich liebe diese kleinen selbstklebenden Papierchen, weil sie jedem Gedanken ausreichend Raum geben und damit jedem Team-Mitglied Geltung verschaffen. So tragen sie zu erfolgreicher Teamarbeit bei.

Zwei Phasen

Dabei gilt es ein paar Dinge zu beachten. Es sollte bei der Teamarbeit mit Post its auf jeden Fall immer zwei Phasen geben, die man mehrmals durchläuft:

Erste Phase

Jeder und jede denkt für sich nach und ist auf sich selbst fokussiert. Anschließend folgt der Gedanken- und Ideenaustausch im Team. Während der ersten Phase schreibt jeder für sich seine Gedanken und Ideen auf Post its. In der Regel reichen dafür zwei bis drei Minuten. Wenn es in diesen paar Minuten plötzlich ganz still im Raum wird, ist das ein gutes Zeichen.

Zweite Phase

Im zweiten Schritt klebt jeder seine Zettel an die Wand. Das kann eine Metaplan-Wand sein, das kann eine normale Bürowand sein, das kann einfach eine Tür sein. Wichtig ist nur: Die Post its fallen nicht von der Wand ab (immer vorher testen!!!), und es gibt so viel Platz, dass das ganze Team vor der Wand stehen und alle Post its sehen kann. In dieser Phase ist es sehr wichtig, dass jeder, der einen Zettel an die Wand klebt, dazu kurz etwas sagt. Jetzt soll diskutiert und kommentiert werden. Hier sollte der Coach unbedingt darauf achten, dass im Team keine Parallel-Gespräche stattfinden. Es darf nur ein Gespräch geben, an dem jedes Team-Mitglied teilnimmt. Um ein gutes Teamergebnis zu erreichen muss der Coach in der Austausch-Phase darauf achten, dass auch alle Zettel, die geschrieben worden sind, an die Wand kommen. Kein Gedanke auf einem Post it ist blöd, überflüssig oder hat sich schon erledigt. Hat jemand das Gefühl, dass seine oder ihre Zettel Inhalte wiederholen, kann das Team mit diesen Post its sofort Cluster bilden und so inhaltliche Schwerpunkte sichtbar machen. Denn wenn zwei oder mehr Menschen die gleichen Gedanken zu einem Thema aufschreiben, hat das auch eine Bedeutung. Diese Gedanken sind womöglich besonders wichtig oder einfach nur besonders naheliegend. Beide Erkenntnisse kann das Team in seine Arbeit einbeziehen. Durch dieses Vorstellen der Klebezettel kommt immer ein reger Gedankenaustausch im Team in Gang. Meist entstehen dann neue Ideen, auf die der einzelne vorher nicht gekommen ist. Damit das Team effizient weiter arbeiten kann, muss unbedingt jemand jede Idee, die im Gespräch entwickelt wird, auf ein Post it schreiben. Sonst beseht die Gefahr, dass sie verloren geht. Außerdem ist es oft auch nicht einfach eine gute Formulierung zu finden. Das Team ist auf diese Weise gezwungen die neue Idee zu konkretisieren und auf den Punkt zu bringen. Die Austausch-Phase ist für den Coach anspruchsvoll: Das Team soll seine eigenen Gedanken und Ideen entwickeln. Der Coach hält sich im Hintergrund. Aber er oder sie muss gleichzeitig sicherstellen, dass alle Team-Mitglieder zu Wort kommen. Manchmal neigen introvertierte Menschen dazu ihre Post its nur sehr leise und nebenbei vorzustellen. Das bedeutet aber nicht, dass ihre Gedanken unwichtig wären oder das Team nicht voran bringen würden. Aufgabe des Coaches ist es, auch diesen Menschen Raum zu verschaffen. Das kann zum Beispiel durch gezieltes Nachfragen erfolgen oder indem man den Gedanken wiederholt und als Frage in das Team gibt.

Zwei Phasen: erfolgreiche Teamarbeit

Werden beide Phase immer wieder konsequent durchlaufen, entsteht automatisch ein gutes Team. Jeder einzelne fühlt sich ernst genommen und gleichzeitig erlebt das Team: Gemeinsam kommen wir zu Ergebnissen, die jeder einzelne nicht erzielt hätte. Ermöglicht hat das: die Arbeit mit Post its. Einfach mal ausprobieren! Aber Achtung: Mit Post its zu arbeiten, ist kein Design Thinking. Es ist nur ein Werkzeug aus dem Methodenkoffer, den Design Thinker nutzen.

Drei Lesetipps – Nr. 3

Design Thinking: Lernend nach vorne gehen

Es gibt unzählige Versuche zu definieren, was Design Thinking genau ist. Weil das so schwer zu fassen ist, lese ich jeden Artikel zu dem Thema, den ich in die Finger kriegen kann. Den Definitionsversuch von Annie Kerguenne teile ich: Die Drei Kernelemente von Design Thinking sind für Sie “Multidisziplinarität”, “Nutzerzentrierheit” und “Lernend nach vorne gehen”. Das bedeutet für mich, dass Unternehmen alle Aktivitäten auf die Kunden und Menschen ausrichten und Teams  bilden, die sich gegenseitig mit unterschiedlichem Wissen und Erfahrungen unterstützen. Und nicht weniger wichtig: Wer Design Thinking umsetzen will, braucht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (auch Führungskräfte!!!), die jeden Tag dazu lernen wollen und etwas riskieren.

page-online.de/branche-karriere/design-thinking-definition-und-kernelemente

Unternehmenskultur als Grundlage für die Digitalisierung

Auf dem Bank-Blog habe ich einen Artikel gefunden, der auf ein sehr wichtiges Thema aufmerksam macht: Ein Unternehmen (nicht nur Banken) lässt sich nur verändern, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter etwas Neues zu wagen. Strategien und Anweisungen von oben bewirken wenig. Die meisten Menschen – so die These – sind bereit diesen Schritt ins Neue zu gehen, wagen dies aber aufgrund einer starren, schuldorientierten und hierarchischen Unternehmenskultur nicht. Im Artikel plädiert Florian Semle für das Konzept “Intrapreneurship”. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen im Unternehmen als Unternehmer und Start-Up handeln. So könen sie neue Ideen ausprobieren und innovative Geschäftsmodelle entwickeln. Sie brauchen dazu aber Freiraum – Semle nennt es “Sandboxes” – und vor allem eine Führung, die Experimente und Fehler erlaubt. Ein interessanter Aspekt schließt den Artikel ab: Wenn diese “Sandboxes” geschaffen sind und sogar erfolgreich sein sollten: Wie kann ein Unternehmen diese innovativen Kerne wieder in das Gesamtunternehmen integrieren?

www.der-bank-blog.de/yes-you-can/innovation/29787

Agiles Lernen: ein Wiki

Zum Schluss noch ein Hinweis auf ein neues Wiki: agiles-lernen.wiki. Hier finden sich zahlreiche Begriffserklärungen von “Art of Hosting” über “Learning Nuggets” und “Lego Serious Play” bis hin zu “Zukunftswerkstatt”. Außerdem gibt es Materialien und Checklisten zum Herunterladen. Eine interessante Fundgrube für alle, die Workshops machen und an neuer Lern- und Unternehmenskultur interessiert sind. Noch ist nicht alles perfekt, aber – wie bei jedem Wiki – jeder kann mitmachen und das Wiki verbessern.

www.agiles-lernen.wiki

Drei Lesetipps – Nr. 2

Unternehmen brauchen mehr als ein paar Design Thinking Schulungen

http://futurice.com/blog/design-thinking-is-dead-long-live-innovation

Ein paar Design-Thinking-Schulungen hier, ein Workshop dort und schon ist das Unternehmen kreativer, innovativer und flexibler und den Anforderungen der digitalen Transformation gewachsen? Das funktioniert leider nicht. Unternehmen brauchen neben Schulungen:

  • die richtigen Werkzeuge
  • Verzicht auf Perfektion
  • Leute mit Macherqualitäten
  • neue Systeme, um Innovation zu bewerten.

Lesenswerter Beitrag.

Schnelles Feedback gehört zum Design Thinking

http://www.horsesforsources.com/blog/barbra-mcgann/design-thinking-exercise_042817#sthash.r0FrHtDZ.dpuf

Das ehrlichste und damit wertvollste Feedback erhält man von Menschen während sie noch dabei sind etwas zu tun oder es eben gerade beendet haben. Daher ist es gut, wenn man sich sofort nach einem Meeting oder Workshop gegenseitig Feedback gibt. So können alle lernen. Wie das funktionieren kann, beschreibt der Artikel. Einfach mal ausprobieren.

Philosoph macht Druck

http://www.deutschlandfunk.de/die-zukunft-der-arbeit-wir-dekorieren-auf-der-titanic-die.911.de.html?dram:article_id=385022

“Wir dekorieren auf der Titanic die Liegestühle um”, so lautet die Überschrift zu einem Interview, das der Deutschlandfunk mit dem Philosophen Richard David Precht geführt hat. Precht hält die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt und unsere Gesellschaft für gravierender als wir uns das im Moment eingestehen. Warum gibt es keine breite gesellschaftliche Debatte, wie wir die Zukunft im Zeitalter der Digitalisierung gestalten wollen? Nur Liegestühle umstellen reicht nicht, wir müssen die Titanic vor dem Untergang bewahren. Let`s do it.

Kreativität: Vertrauen, Team und Zufall

Kreativität steht in der Wirtschaft hoch im Kurs. Viele Chefs wünschen sich kreative Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die Probleme angehen, eigenverantwortlich neue Lösungen finden und mit guten Ideen das Unternehmen voranbringen. Daher schreiben fast alle Unternehmen in ihre Stellenangebote, dass sie kreative Menschen suchen. Gleichzeitig entstehen allerorten sogenannte Innovationslabore, in denen ausgewählte Team ihrer Kreativität freien Lauf lassen dürfen.  Die Unternehmen reagieren damit auf die zunehmende Komplexität der Produkte und Services und die Schnelligkeit, mit der sich die Kundenbedürfnisse im digitalen Zeitalter ändern. Sie wissen, wer sich nicht schnell und immer wieder ändert, anpasst oder neu erfindet, geht das Risiko ein, morgen vom Markt gefegt zu werden und an der digitalen Transformation zu scheitern.

Trotzdem wissen die wenigsten Unternehmen genau, welchen Weg sie beschreiten sollen. Im Grunde sind sie ratlos. Und so hört man aus dem Management den beliebten Satz: „Da brauchen wir mal eine kreative Lösung.“ Im Klartext bedeutet das: „Mit den herkömmlichen und bekannten Methoden und Lösungen kommen wir nicht weiter. Wir brauchen etwas Neues – was wissen wir aber auch nicht genau.“ Und so treffen sich alle in Laboren und werden kreativ. Aber was ist Kreativität eigentlich?

Neues erschaffen

Chaos führt zu Kreativität

Kreativität ist die Fähigkeit, etwas Neues zu erschaffen, das bisher nicht vorhanden und das gleichzeitig einzigartig und beständig ist. Kreativ zu sein bedeutet schöpferisch zu sein. Dieses Schöpferische hat unsere Gesellschaft aber bisher den Tätigkeiten in künstlerischen Bereichen zugeschrieben. Allenfalls in den Medien oder im Kunsthandwerk war in der Vergangenheit Kreativität gefragt. In allen anderen Branchen gibt es wenig Erfahrung mit Kreativität.

Vor allem stellen sich zwei Fragen: Wie und in welchem Umfang ermöglichen wir Kreativität? Und wie nutzen wir unsere Kreativität so, dass hinterher das Unternehmen auch etwas davon hat?

Räume und Zeit für den Zufall organisieren

Leider sind kreative Prozesse nicht auf Knopfdruck in Gang zu setzen. Es gibt aber einige Rahmenbedingungen, die es wahrscheinlicher machen, dass Menschen kreativ werden. Dazu gehört – neben vielen anderen Aspekten – zu allererst Vertrauen in Kollegen und Vorgesetzte und die Sicherheit zum Beispiel für wilde Ideen nicht ausgelacht zu werden. Ein guter Nährboden für Kreativität ist auch der Austausch mit Kollegen über die Fach- und Abteilungsgrenzen hinaus. Hochkompetente Experten können zwar auch allein kreativ sein, brauchen aber häufig den Blick und die Anregung von außen, um nicht nur Verbesserungen zu entwickeln, sondern neue Lösungen zu schaffen. Außerdem benötigt Kreativität Zeit. Wer kreativ sein soll, braucht die Zeit, um etwas auszuprobieren, was auf den ersten Blick vielleicht keinen Sinn hat. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen Zeit haben, um herum zu probieren, müssen offen sein für Möglichkeiten.

Der Zufall darf eine Rolle spielen: Der englische Arzt Alexander Fleming hatte 1928 vor den Sommerferien eine Petrischale mit Bakterien versetzt und zur Seite gestellt. Bei seiner Rückkehr aus dem Urlaub entdeckte er, dass auf dem Nährboden ein Schimmelpilz wuchs und sich in der Nachbarschaft des Pilzes die Bakterien nicht vermehrt hatten. Obwohl Fleming nicht danach gesucht hatte, hatte er per Zufall das Penicillin entdeckt – eines der bedeutendsten Medikamente überhaupt.

Unternehmen, die sich immer wieder neu erfinden müssen und wollen, sollten daher Rahmenbedingungen schaffen, in denen die Kollegen nicht zielgerichtet auf ein klar definiertes Ziel hinarbeiten müssen, sondern auf den Zufall spekulieren und vertrauen dürfen. Die besten Ideen entstehen, wenn man loslässt, Abstand gewinnt und über die gestellte Aufgabe nicht mehr nachdenkt. Viele Menschen haben deshalb oft unter der Dusche gute Ideen. Daher ist es kein Zufall, dass im Moment so viele Kreativ- und Innovationslabore entstehen. Sie schaffen meist gute Bedingungen für Kreativität. Diese Labore simulieren eine entspannte Dusche.

Design Thinking kanalisiert Kreativität

Kreativität kann in der Wirtschaft kein Selbstzweck sein. Unternehmen sind keine Künstler, sondern wollen Produkte und Dienstleistungen verkaufen. Damit muss im Mittelpunkt aller Kreativität und aller neuen Ideen der Kunde stehen. Er muss am Ende von dem neuen Produkt oder Service begeistert sein und Geld dafür ausgeben.

Die beiden Aspekte Kreativität und Kundenorientierung vereint zum Beispiel die Innovationsmethode „Design Thinking“. Eine neue Lösung ist im Design Thinking nur dann eine Innovation wenn sie nicht nur technisch umsetzbar und wirtschaftlich sinnvoll ist, sondern vor allem ein menschliches Bedürfnis befriedigt. Das bedeutet: Alle schöpferische Energie läuft ins Leere, wenn wir nicht vom Kunden her denken und ihn in den Mittelpunkt unserer Kreativität stellen. Deshalb arbeiten viele Unternehmen in ihren Laboren mit Design Thinking.

Ulrich Weinberg erklärt Design Thinking

Ulrich Weinberg hat die School of Design Thinking (d.school) am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam federführend mit aufgebaut. Es gibt also kaum jemanden, der berufener ist zu erklären, wie Design Thinking funktioniert. In diesem Video macht er es aus meiner Sicht sehr gut. Einfach mal angucken.

Aber auch wenn er es überzeugend vorträgt: Wichtig ist es Desing Thinking zu erleben und zu erfahren. Theorie hilft in diesem Fall nur bedingt.

Design Thinking: Open Course am Hasso-Plattner-Institut (HPI)

Alles noch nicht perfekt, aber ich leg schon mal los. Dieses Blog entsteht in einem iterativen Prozess.

Weiterbildung am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam im September 201´6